Was spricht für BitCoins?

Der erste Teil dieses Blog-Beitrags befasste sich mit den durchaus komplexen, technischen Faktoren des BitCoin-Systems. Hat man nun ein grundlegendes Verständnis für das Prinzip, bleibt die berechtigte Frage „Und was nützt mir das?“. Die Frage ist berechtigt, da BitCoin in der öffentlichen Wahrnehmung meist „nur“ mit dem Aspekt der Anonymität verbunden ist. Somit fühlen sich Menschen, die mit der nicht vorhandenen Anonymität im Zahlungsverkehr kein Problem haben, nicht angesprochen.

Als Folge wird BitCoin auch sehr schnell mit der Eignung für kriminelle Zwecke in Verbindung gebracht. Eine solche Einschätzung greift deutlich zu kurz oder daneben, denn anonym zu zahlen ist zwar eine zentrale Eigenschaft der Währung, jedoch nicht die einzige. Die deutlichsten Unterschiede zu „klassischen“ Währungen zeigen die folgenden drei Punkte auf:

 

In diesem Fall bedeutet das, dass Transaktionen völlig unabhängig von Banken abgewickelt werden können. Gerade bei internationalen Überweisungen sind die Gebühren für den Sender enorm, hinzu kommt die Dauer. BitCoin erhebt lediglich einen Bruchteil dieser Gebühren (im Cent-Bereich), welche jedoch nur dazu dienen die Rechenleistung der Miner, die zur Bestätigung und Absicherung der Zahlung benötigt werden, zu entlohnen.

 

 

Um Zahlungen zu senden ist es nicht nötig persönliche Daten preiszugeben. Über pseudonyme Adressen, generiert von der BitCoin Software, lassen sich die Transaktionen zuordnen. Diese werden zwar für alle sichtbar in die Blockchain eingetragen, um die Transparenz zu gewährleisten, enthalten aber keine Rückschlüsse auf Namen oder Adresse der Nutzer.

 

Die angesprochene Unabhängigkeit von Institutionen führt bei BitCoin dazu, dass keine Zentralbank bei Bedarf Geld drucken kann um die Währung zu stabilisieren oder ähnliches. Das BitCoin-Protokoll sieht ein Limit von 21 Millionen jemals zu erstellenden Coins vor. Aus diesem Grund stieg der Kurs in den letzten Jahren auch derart dramatisch, denn sollte sich BitCoin als Zahlungsmittel etablieren und die Nachfrage weiterhin steigen, so würde man im Besitz weniger Coins schnell zum Millionär werden. Gerade die Entwicklung des Kurses, der bereits über dem Preis einer Feinunze Gold liegt, macht die Währung attraktiv für Spekulanten.

 

 

Man muss also keinen Dritten vertrauen und kann mit einem sehr überschaubaren Risiko Zahlungen senden und das Ganze geschieht vollkommen anonymisiert. Genau deshalb äußern Kritiker an diesem Punkt Bedenken, BitCoins würden den illegalen Geldfluss erleichtern. Da dieses Argument jedoch bei allen Arten von Zahlungen oder Innovationen im Allgemeinen greift, stellt BitCoin weder ein besonders schlechtes, noch ein besonders gutes Beispiel dar.

 

Bargeld wird gezählt

 

Der Hauptzweck der Währung ist eine Absicherung gegen Betrug und Finanzkriminalität, wo tatsächlich schon gute Arbeit geleistet wurde und wird. Nichtsdestotrotz lohnt sich auch ein Blick auf die Risiken der Digitalwährung:

 

 

Da die Preise für BitCoins nicht nur extrem steigen können, sondern auch ebenso tief fallen können, drohen enorme Wertverluste. Der Grund ist, dass der Kurs nur durch Angebot und Nachfrage geregelt wird und nicht wie Euro, Dollar & Co. durch Zentralbanken gesteuert werden kann. Das kann für Neulinge im Bereich der Kryptowährungen mitunter zu großen Verlusten führen, vor allem dann, wenn sowohl vorschnell ge- als auch verkauft wurde.

Wenn in einem demokratischen System wie BitCoin die Mehrheit entscheidet, dann gilt das auch. Deshalb ist es theoretisch auch möglich, dass Miner über 50% der Rechenleistung stellen und damit beliebig Transaktionen verhindern oder umkehren könnten, was die Blockchain und das gesamte System in Unordnung bringen. Tatsächlich könnte das sogar mit weniger als 51% funktionieren, nur eben mit nicht ganz so hohen Chancen auf Erfolg. Da der finanzielle Aufwand hinsichtlich Hardware und Strom aber in die Millionen geht, ist eine 51% Attacke nicht das wahrscheinlichste Szenario.

Auch wenn die BitCoin-Software als sicher gilt, gibt es gerade für Neulinge beim Thema Kryptographie einige Stolpersteine. Die privaten Schlüssel der Wallet müssen zu 100% sicher verwahrt werden, denn sonst können sie durch Hacker-Angriffe entwendet und missbraucht werden, was zum Verlust aller BitCoins führen kann. Ähnliches gilt für Online-Dienste zur Aufbewahrung von BitCoins: da es sich um eigenständige Anbieter handelt, können keine Garantien hinsichtlich der Sicherheit der Daten gemacht werden. Es empfiehlt sich neben dem vorsichtigem Umgang mit Schlüsseln und Passwörtern auch ein Grundwissen in Kryptographie anzueignen bevor man mit BitCoins handelt.

 

Einen Blick in die Zukunft der BitCoins zu wagen ist definitiv schwer. Die Vorteile und Möglichkeiten für Nutzer und solche die es werden wollen sind mehr als deutlich und bieten großes Potenzial. Ebenso sind die Nachteile zu berücksichtigen, die vor allem auch dann entstehen, wenn unerfahrene Nutzer mit der Währung handeln.

BitCoin wird bereits als die Ablöse für das derzeitige Geldsystem gelobt und ebenso wird der Währung auch schon der sichere Crash und die baldige Bedeutungslosigkeit vorhergesagt. Der Knackpunkt wird hier wohl sein, wie schnell sich BitCoins als Zahlungsmittel für den Alltag etablieren und wie viele neue Nutzer somit generiert werden können. Wie am Beispiel Chinas deutlich wird, ist auch die Rolle der Regierungen und Zentralbanken für die Entwicklung der Währung entscheidend: weniger Einschränkungen für BitCoin durch Gesetze bedeuten mehr Platz zum Wachsen.