Die EU schafft Geoblocking ab

Die EU schafft Geoblocking ab. Wir erklären, worum es geht, was das für die Nutzer von Online-Inhalten bedeutet und ab wann diese, erst kürzlich beschlossenen, Neuerungen in Kraft treten.

Zum besseren Verständnis beginnen wir erst mal mit den Grundlagen zum Thema.

 

Was meint Geoblocking?

Geoblocking bedeutet geografisches Blockieren – also das Blockieren von verschiedenen geografischen Zonen oder Ländern.

Stichwort: Content Geoblocking

Wer von Deutschland aus ins Internet geht und beispielsweise Streaming Dienste in Anspruch nehmen möchte, hat automatisch nur Zugriff auf die in Deutschland verfügbaren Inhalte.

Wenn ein deutscher Netflix-Nutzer aber beispielsweise Urlaub in Italien macht und von dort aus auf seinen Netflix Account zugreifen möchte, ist das zwar grundsätzlich möglich, jedoch stehen ihm dann nicht unbedingt die gleichen Inhalte zur Verfügung, die ihm in Deutschland zur Verfügung stehen und für die er ja bezahlt. Denn im Grunde greift er dann auf das italienische Netflix zu und kann nur das sehen, was die italienischen Nutzer bereitgestellt bekommen.

 

In Deutschland ist Geoblocking vor allem durch die Streitigkeiten zwischen YouTube und der GEMA (der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte) bekannt. Das hat zwar nicht direkt etwas mit den Neuerungen zum Thema Geoblocking innerhalb der EU zu tun, zeigt aber auf, wie Geoblocking eingesetzt werden kann.  

Eine IP-Adresse ist eine Zahl, die benutzt wird, um einen Computer eindeutig zu kennzeichnen. Es gibt 2 verschiedene Längen von IP-Adressen einmal die kürzere IPv4 und die längere IPv6.

IP Adressen werden in der Regel von Internetanbietern an ihre Kunden vergeben. In einer IP-Adresse wird übrigens auch das Herkunftsland des Nutzers gekennzeichnet. Nur so können Dienste erkennen woher ihre Nutzer auf Angebote zugreifen und welchem Nutzer sie welche Inhalte zur Verfügung stellen dürfen bzw. können.

 

Wer ist betroffen?

Wenn es um das Thema Content Geoblocking geht, dann sind die meisten Länder davon betroffen. Das liegt ganz einfach an Lizenzen und Rechten, die für die einzelnen Länder vergeben werden.

Generell kann Geoblocking also überall auftauchen.

Außerdem davon betroffen sind die verschiedenen Anbieter von Online-Inhalten. Dazu zählen unter anderem Amazon mit seinen Prime Video Angeboten, Netflix und die Angebote von Sky bzw. SkyGo.

 

Beispiel: "House of Cards"

Ein Beispiel, was deutlich macht, worum es geht, ist die Netflix Eigenproduktion „House of Cards“. Die Serie wird von Netflix produziert und gehört dementsprechend dem Streaming Dienst. Netflix hat allerdings zu Zeiten als es noch nicht in bestimmten Ländern vertreten war, die Rechte für diese Produktion an andere Anbieter verkauft, genauer gesagt an Sky.

Das führte dann dazu, das selbst als Netflix eine Plattform in den betroffenen Ländern zur Verfügung gestellt hat, sie ihre eigene Produktion nicht anbieten konnten. Die Rechte dafür wurden ja schon vorher an andere vergeben.

Beispiel: Bundesliga auf Sky

Deutsche Nutzer, die ein Sky Abo besitzen, können beispielsweise die Bundesligaspiele ihres Lieblingsvereins von Zuhause aus ansehen. Wenn ein solcher Nutzer sich aber zum Beispiel im Urlaub in Dänemark befindet, dann kann er von dort aus die Bundesligaübertragung nicht sehen, weil er sich nicht in Deutschland befindet und das, obwohl er ja monatlich für dieses Angebot bezahlt.

 

Die EU und Geoblocking – Was soll sich jetzt ändern und warum?

Die Europäische Kommission hat im Februar 2017 Folgendes beschlossen:

Es soll sichergestellt werden, dass EU-Bürger, die Online-Inhalte, wie Filme, Sport Sendungen, Spiele, Musik und E-Books abonniert haben, auf diese auch zugreifen können, wenn sie innerhalb der EU verreisen. Diese neuen Regeln gelten für Anbieter, die für ihr Angebot Geld verlangen. Dienste, die ihre Inhalte kostenlos zur Verfügung stellen, sind davon nicht betroffen, es sei denn, sie möchten freiwillig teilnehmen.

Wichtig hierbei: Anbieter dürfen für die grenzübergreifende Bereitstellung von Inhalten keine extra Gebühren verlangen.

Vorteile gibt es aber nicht nur für die Nutzer der Dienste. Die Anbieter von online abrufbaren Inhalten haben nach dieser Regelung die Möglichkeit diese grenzübergreifend anzubieten.

 

Wie sollen die neuen Regelungen durchgesetzt werden? Gibt es Kontrollmechanismen?

Anbieter müssen von nun an überprüfen und sicherstellen, dass ihre Nutzer innerhalb der EU leben. Dies kann beispielsweise anhand von bereits bestehenden Internet- und Telefonverträgen überprüft werden. Auch das Überprüfen via zuvor angegebener Zahlungsinformationen oder anhand von IP Nummern ist denkbar. Für welche Art der Verifikation sich der Anbieter im Endeffekt entscheidet, ist ihm überlassen.

 

Zusammenspiel mit der Abschaffung von Roaming Gebühren innerhalb der EU

Wichtig ist die Abschaffung von Geoblocking und die damit einhergehende Möglichkeit des Zugriffs auf Online-Inhalte auch aus dem EU-Ausland heraus, vor allem im Hinblick auf das Inkrafttreten der neuen Regeln für das Roaming innerhalb der EU am 15. Juni 2017. Vom 15. Juni an zahlen Kunden, die innerhalb der EU verreisen bei angemessener Nutzung (fair use policy), nur noch inländische Preise für die Nutzung von mobilem Internet.

 

Die nächsten Schritte

Noch gilt die neue Regelung nicht. Im nächsten Schritt muss sie noch vom Rat der Europäischen Union und dem Europäischen Parlament offiziell bestätigt werden. Wenn die Regelungen so angenommen werden, dann können sie ab Anfang des Jahres 2018 in allen Mitgliedsstaaten der EU angewandt werden. Nach der Annahme der Neuerungen wird den Anbietern von Online-Inhalten eine 9-monatige Übergangsfrist eingeräumt, in welcher diese Zeit haben sich auf die Neuerungen und deren Umsetzung vorzubereiten.